Heutzutage muss man alles schriftlich fixieren und für die Nachwelt hinterlassen. Im Netz wird viel geschrieben und viel hinterlassen. Menschen hinterlassen ihre persönlichen Fotos, Gedanken, Ideen und Geschichten. Jetzt kann man sich zusätzlich mit seinen Vorlieben und Wünschen in einem ICH-PASS verewigen.
Der ICH-PASS ist aber keine Erfindung zur gegenseitigen Belustigung oder um in Twittermanier die Neugierde Dritter auf schriftlicher Art zu befriedigen. Die Intention dieses Dokuments liegt tiefer und hat durchaus seinen Nutzen.
So werden in dem PASS Daten erfasst, die, wie in einer Patientenverfügung, Lebensumstände, persönliche Präferenzen und Gedanken, welche in dem Fall, dass ich mich selber nicht mehr äußern kann, mein Leben weiter so gestaltet wird, wie ich es gerne hätte. So kann man seine Lieblingsmusik, -bücher, -filme, -essen genauso zu Papier bringen wie auch Menschen oder Handlungen, die ich überhaupt nicht mag.
So ein kleines Beispiel: Läge ich bewusstlos oder mit Altersdemenz im Krankenhaus oder in der Pflegestation, so würde jener ICH-PASS dem Pflegepersonal mitteilen, dass ich keine Tulpen am Bett mag oder Vanillepudding ungemein liebe. Somit, vorausgesetzt das Personal hielte sich an diesen PASS, würde auch in diesem geschilderten Fall mein Leben menschenwürdig sein. Einen Rechtsanspruch hat dieses Dokument aber nicht, sondern dient nur zur Unterstützung bei der Pflege im Krankheitsfall.
In diesem Sinne ist der ICH-PASS eine sinnvolle Erfindung. Ob die 6,- Euro gut angelegt ist, muss jeder für sich entscheiden. Praktisch wäre, wenn in diesem ICH-PASS auch medizinische Daten erfasst werden könnten um so im Falle einer plötzlichen Bewusstlosigkeit meine Blutgruppe, derzeitige Medikamentierung und Allergien festzuhalten und den Sanitätern und Notärzten lebensrettende Informationen mitzuteilen.
Wichtig ist mir noch nach kurzem Schriftwechsel mit Fr. Hofmaier, der Erfinderin des ICH-PASSes, festzuhalten, dass es sich bei dem Pass nicht um ein “virutells Dokument” handelt. Man erhält bei Bestellung oder oft schon auch über die örtliche kirchliche Gemeinde oder andere Verbände ein stoffliches Dokument aus Papier, das man handschriftlich ausfüllt. Bleibt nur zu hoffen, dass kommerzielle Nachahmer die geniale Idee nicht dazu missbrauchen, sensible Daten von Kunden auszuspähen. Da bleibt nur eines: Das Original!



















