Es ist geschafft. Es gibt Momente, da ist man Stolz in Bayern zu wohnen: die allzeit gelobte Schulbildung, Wirtschaftsstandort mit wachsenden Prognosen, "König Edmund I" und sein "Kronprinz Günther der Klerikale" (ich bitte alle Juristen der Welt: das soll nur ein Spaß sein!) und nicht zuletzt -
das strengste Rauchverbot in Deutschland (wenn nicht sogar in Europa).
Aber dieses
Rauchverbot hat eine kleine Lücke, die es wohl noch zu schließen gilt. Der Gültigkeitsbereich beschränkt sich auf alle Arten von Gebäuden, doch in der Öffentlichkeit ist das Rauchen noch gestattet. So schlendere ich gemütlich über den Nürnberger Christkindlesmarkt eingehüllt vom zarten Duft von Glühwein, Lebkuchen, heißen Maroni und ... Zigarettenqualm, weil schon wieder einer dieser suizidaren Luftverpester vor meinen Augen einen kräftigen Zug an seiner Fluppe macht und den von Glühwein geschwängerten Atem mitsamt dem beißenden und stinkenden Rauch mitten in mein Gesicht pustet. Da schmeckt der eigene Lebkuchen oder das weihnachtliche Crépes gleich viel besser.
Und was passiert dann später mit der Kippe? Nun, die Zahl der Raucher, die immer einen Aschenbecher mit sich führen, geht wohl in die Promille. Also, ab auf den Boden damit. Der größte Aschenbecher ist noch immer die Straße. Folglich sammeln sich über die Tage immer mehr dieser abgelutschten, verknickten und zerbröselnden Glimmstängel (früher: Glimmstengel) an Bordsteinkanten und Blumenkästen zur gemeinsamen Darbietung derer, die sich tagtäglich über eine saubere Stadt freuen.
Besonders einfallsreich sind dabei rauchende Autofahrer in ihren mobilen Räucherkonservierungsvehikeln. Nicht nur, dass das Halten einer Zigarette im mobilen Straßenverkehr einem selbstmörderischen Akrobatakt gleichkommt, der über die Jahre der Erfahrung mühsam einstudiert wurde, sondern die Entsorgung des nicht rauchbaren Überrestes gleicht einer logischen Folgerung des Christkindelsmarktverhaltens - weg damit auf die Straße. Fenster auf und raus damit. Wie gut, dass die Automobilhersteller die Autos mit Aschenbechern ausstatten, die man dann mit Bonbonpapieren, Taschentüchern und dem Plastikbändchen der eben geöffneten Zigarettenschachtel füllen kann. Eine ausgedrückte Kippe hat dann keinen Platz mehr darin. Es ist für einen hinterherfahrenden Verkehrsteilnehmer immer eine Freude, den an Silvester erinnernden Funkenregen auf seiner Windschutzscheibe zu sehen.
Nun, ich hoffe, dass unsere patroullierenden Gesetzes- und Ordnungshüter hier ihren Sinn für Umweltschutz und Sauberkeit in der Stadt endlich walten lassen und diese fahrenden Ignoranten einmal aussteigen und ihren Dreck wieder einsammeln lässt.
